The Story of „BORN TO BE WILD MC Berlin"

 

Heute, im Jahr 2015, steht der Name „BORN TO BE WILD" für einen der bekanntesten MC’s in Deutschland. „Die Borns", wie sie überall in der Szene verkürzt genannt werden, haben heute einen weit über die Grenzen Deutschlands hinaus gehenden Bekanntheitsgrad erreicht. Dies wird insbesondere durch die vielen guten Beziehungen zu anderen Clubs in ganz Europa, speziell in Italien und Frankreich sowie Großbritannien und Skandinavien dokumentiert. Man stellt eben nicht nur in der deutschen MC-Szene etwas dar, sondern ist insgesamt größer, offener, europäischer geworden.

Doch den heutigen Bekanntheitsgrad verdanken die Borns einem Glücksumstand, zu dem wir alle nur sehr wenig beitragen konnten – der Öffnung der Mauer. Allerdings hatten damals einige sehr clevere Member das Sagen im MC und erkannten die sich durch den Wegfall der Grenzen bietenden Möglichkeiten. Nach 15 Jahren des „Eingesperrtseins", nach den vielen Jahren der im ehemaligen Westteil Berlins sich nur sehr beschränkt bietenden Möglichkeiten für Veranstaltungen und speziell Großveranstaltungen, nutzte der Club eine einmalige Gelegenheit, die sich ihm 1990 bot.
Als man bei der Suche nach einem passenden Veranstaltungsgelände für eine größere Clubparty auf ein von Wäldern umgebenes Gelände am Rande des Ortes Biesenthal aufmerksam wurde, hielt man diese Perle der Natur fest. Ein Veranstaltungsgelände war gefunden, daß noch heute fast ehrfurchtsvoll als „Dreamplace" bezeichnet wird. Dieser traumhaft schöne Platz, wo die Bühne, ähnlich wie bei den antiken Theatern am tiefsten Punkt aufgebaut wird, der umgeben ist von dichten Wäldern und in dessen Nähe Seen zum erfrischenden Bad laden, sollte den Borns in den 90’er Jahren zu ungeahntem Bekanntheitsgrad verhelfen. Heute kennt jeder aus der Szene in Deutschland das „Motorcylce Jamboree" oder wie die meisten nur kurz synonym dazu sagen, „Biesenthal". Hier in Biesenthal, wo sich in den letzten Jahren jährlich weit über 20.000 Besucher einfanden, und, wie auch in den ansonsten eher rockerfeindlichen Zeitungen zu lesen war, friedlich miteinander feierten, Pokale und Harleys gewannen, gaben sich einerseits internationale Rockgrößen das Mikro in die Hand und wurden andere bis dato eher unbekannte Bands weltberühmt. Bestes Beispiel hierfür ist Rammstein.
Doch vor all dem, was heute vor dem Hintergrund des Jamborees in Biesenthal so schillernd aussieht, mussten die Berliner einen langen Weg zurücklegen und müssen sich nach abwechslungsreicher und teilweise dramatischer Clubgeschichte insbesondere in den 90‘er Jahren seit nunmehr drei Jahren mit der Berliner Justiz auseinandersetzen.

Doch wie hatte alles angefangen?

Die Wurzeln der Gründung begann Anfang der 70ziger Jahre.                                                                                   
1970 hatte Lommel den 1. BORN TO BE WILD MC BERLIN unter einem anderen Colour gegründet,

Dieser löste sich dann 1971 wieder auf:
Irgendwann 1975, sich heute auf einen konkreten Tag festlegen will und kann niemand mehr, hatte Lommel  die „Schnauze voll", sich als irgend ein Mitglied in einem der damals sehr zahlreich (so an die 15) in Berlin vertretenen Rockerclubs rumzuärgern. Mit sechs anderen Freunden beschloss er deshalb, und damals ging das noch so von heute auf morgen, einen eigenen MC zu gründen. Als erstes stand danach die Namensgebung des MC’s an und Lommel beschloss, daß das Lebensmotto der Mitglieder aus dem Colour des Clubs ersichtlich sein sollte. Und so entwarf er ein Colour, das im oberen Bogen das Lebensmotto „BORN TO BE WILD" enthielt und im unteren Bogen den eigentlichen Namen des MC’s, nämlich „Santa Maria Vikings". In die Mitte wurde das eiserne Kreuz mit dem bekannten behelmten Totenschädel mit dem Dolch zwischen den Zähnen gesetzt. Noch 3 Linien und das „1%" dazu - fertig war das Colour, das so noch heute in Grundzügen Bestand hat. Geändert hat sich nur der Name des MC’s. Die „Santa Maria Vikings" merkten in den nächsten Jahren bald, daß niemand sie beim eigentlichen Namen nannte, sondern sie immer öfter und schließlich nur noch die „Borns" genannt wurden. So entschloss man sich 1979 endgültig, die ursprünglich nur als Zusatz gedachte Lebenseinstellung zum eigentlichen Clubnamen zu machen, und so heißt seit 1979 der MC der Borns wie allen bekannt BORN TO BE WILD MC. An die frei gewordene Stelle im unteren Bogen setzten sie ihren Ursprungsort Berlin ein. Ihr seht, der Name „Steppenwolf" taucht in dieser Entstehungsgeschichte nicht mal andeutungsweise auf, einfach deshalb, weil ihr bekanntes Musikstück nichts hiermit zu tun hat.

Doch die Zeiten in den siebziger Jahren waren für echte Rocker hart. Es war aus vielen Gründen schwer, in dieser Zeit der rivalisierenden Rockerclubs in Berlin, über die die Boulevardpresse auch fast wöchentlich negativ berichten konnte, eine vernünftige Unterkunft für das Clubleben zu finden. Und so fanden die ersten Sitzungen des Clubs noch bei Lommel zu Hause statt, bis sich irgend ein Kneipenbesitzer traute, diesem jungen MC einen ersten Clubraum zur Verfügung zu stellen.


Der Club wurde in Berlin zusehends attraktiver und festigte seine führende Position bereits 1979, als sich das MC-Leben in der heutigen Hauptstadt auf nur noch 5 MC’s zusammengeschrumpft hatte. Schon frühzeitig, nämlich in den Jahren von 1977 bis 1980, sind außer dem einzigen heute noch aktiven Gründungsmitglied Lommel (Motto: einmal Rocker - immer Rocker) die ebenfalls noch heute dem MC angehörenden  Allner,  Bombe, Kim und Atze beigetreten.
Ende der Siebziger hatte der Club auch seine erste richtige Clubbude in der Bautzener Straße auf damaligem Reichsbahngelände.
Und dort wurde auch der Grundstein für das gelegt, was ihn ebenfalls bis heute auszeichnet - richtiges Feiern. Die Borns verstehen es eben, Partys zu organisieren und so richtig die Sau rauszulassen. So geschehen bereits 1978. Der Einladung zu der ersten großen eigenen Party der Borns in der eigenen Clubbude folgten über 40 MC’s.

Im Laufe der folgenden Jahre sollten es bis zum heutigen Tag insgesamt sieben Clubbuden an sieben verschiedenen Orten werden. Wurde man früher als Club in seiner Umgebung bestenfalls geduldet, so hat sich seit mindestens einem Jahrzehnt die Einstellung großer Teile der Bevölkerung in der Umgebung der Borns völlig verändert.
Nachdem sie die vorletzte in Heiligensee gelegene Clubbude aufgeben mußten und es in Berlin sehr schwer war, ein bezahlbares Objekt in akzeptabler Größe anzumieten, suchte man kurzerhand auch vor den Toren der Stadt und wurde in Großziethen in der Karl-Marx-Straße 62, südlich von Berlin, fündig.
Die anfängliche Skepsis der Anwohner über die Nachbarschaft zu den Rockern wurde bald abgelegt, merkten doch alle, daß Kriminalität in ihrer Umgebung nicht zu, sondern sogar abnahm. Heute sind viele Nachbarn gerne Gast unter dem Dach der Rocker und halten Kontakt, wenn dort Freitags allgemein geöffnet ist oder jeden 3. Freitag im Monat bei freiem Eintritt eine Band spielt.

Da man nur mit einer Motorradmarke auf dieser Welt auch seine Lebenseinstellung nach außen zeigen kann, beschlossen die Mitglieder der Jahre 1979/1980 aus dem Club einen reinen Harley-MC zu machen, was bedeutete, daß jeder, der Mitglied werden wollte, mindestens eine Harley sein Eigen nennen mußte.
Besonders erwähnenswert für die Zeit in den 80‘er Jahren ist noch, daß immer häufiger die Medien begannen, sich der Borns „zu bedienen", meistens wenn es darum ging, in irgendwelchen Filmen in den Köpfen der späteren Betrachter klischeehafte Vorstellungen durch echte Personen, sprich Rocker, zu beleben. Öfter spielten einzelne oder mehrere Statistenrollen in Film- und Fernsehproduktionen. Ganz besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang allerdings ein Dokumentarfilm über die Geschichte des Motorrades in Spielfilmlänge, bei dem die Borns über einen ganzen Sommer im Jahr 1984 von einem Filmteam begleitet wurden, das ihre Lebenseinstellungen erfragte und den Lebensstil filmte. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich einmal den 86-minütigen Film „Ride hard, life free" zu Gemüte führen, ein wirklich sehenswerter Film.
Lange Zeit, nämlich bereits seit 1983, befand sich in Stade, unweit von Hamburg, das einzige Chapter der Berliner. Sicher war dieser Umstand auch durch die Berliner Mauer bedingt. Denn nach der Wende begann die Berliner Clubgeschichte richtig farbig zu werden.
In den Jahren 1992 bis 1994 wurden weitere Chapter in Memmingen, im Schwarzwald, Norditalien und Rostock und dann 1998 in Prenzlau gegründet. Im Jahre 2000, nach langjährigen engen freundschaftlichen Beziehungen sind die Chapter Braunschweig, Wolfsburg und Magdeburg des Hard Core MC den Borns beigetreten. Für Beobachter und Kenner der Szene war dieser Zusammenschluß eigentlich keine Überraschung mehr. 2001 kamen die Chapter Franken und Bremen und in Italien die Chapter Baxano und Padova dazu.

2003 Chapter Wild South und Chapter Wild East

2004 Chapter Rovigo / Italien,

2005 Chapter Frankfurt/Oder,

2008 Chapter Eastside / Italien

2009 Chapter North East / Italien

2010 Chapter Landsberg und Chapter Midland

2012 Chapter Tiengen



Lommel blieb bis 1990 in der Clubführung tätig. Danach nahm Henry Schmidt die Geschicke des Vereins unter seine straffe Führung. Er wurde in den 90‘er Jahren auch prägend für die Richtung des MC’s in Richtung eines Großveranstalters á la Biesenthal. Leider, und für alle Betroffenen viel zu früh, verstarb Henry Schmidt nach kurzer schwerer Krankheit im Herbst 1997.

Von 1997 bis 2003 führten dann Klenke und Atze den MC. Jetzt sind Kim und Zottel im Vorstand des Berliner Chapters.
Doch so weitgehend harmonisch sich aus heutiger Sicht auch vieles aus der Geschichte der Borns darstellt, ein Ereignis hat den BORN TO BE WILD MC - und hier speziell die Berliner - bis ins Mark erschüttert und beschäftigt ihn noch heute und wird ihn auch in nächster Zeit nicht zur Ruhe kommen lassen. Ich meine die von mir damals ausführlich in der BN beschriebene Stürmung der Clubbude am 22. Januar 1997 und die Verhaftung aller Berliner Borns. Nachdem am nächsten Tag nur die Hälfte wieder auf freien Fuß gesetzt worden war, wurde klar, daß den in U-Haft verbliebenen eine lange Durststrecke bevorstehen würde. Erst nach langen ungewissen 14 Monaten in isolierter Einzelhaft, ohne Kontakt zu anderen Mithäftlingen, ohne Kontakt zu anderen beim Hofgang, bei Transporten immer zusätzlich mit Fußfesseln gesichert, untergebracht in einem Hochsicherheitstrakt des Moabiter Untersuchungsgefängnisses, in dem vorrangig hochgradig gefährliche Kriminelle wie u.a. Auftragskiller der Mafia saßen, wurden die hauptsächlich der räuberischen Erpressung von Tätowierstudios Beschuldigten wieder auf freien Fuß gesetzt.


Jetzt zeigte sich eines. Die beabsichtigte Zerschlagung „der weltweit operierenden Gang", wie es auch aus den Medien wie Fernsehen und Presse zu entnehmen war, war nicht gelungen. Im Gegenteil. Durch den Zusammenhalt der restlichen Berliner Mitglieder und die intensive Unterstützung der andern Chapter konnte sogar das kurzfristig gefährdet erscheinende Jamboree in 1997 durchgeführt werden. Und die gleichen Medien, die noch ein halbes Jahr vorher die Borns als kriminelle Vereinigung titulierten, berichteten wieder über das friedliche und harmonisch verlaufende Fest der „harten Männer mit ihren Harleys". Aus den so lange in U-Haft untergebrachten wurden in 1998 Angeklagte, doch der tatsächliche Beginn des Mammutprozesses, bei dem im Gerichtssaal neben dem Richterteam, zwei Staatsanwältinnen, 9 Angeklagten und bis zu 18 Anwälte plus etlicher Zuschauer anwesend waren, sollte erst im Sommer 1999 sein. Da seit Beginn keine belastenden Aussagen zu dem Hauptvorwurf der Erpressung gemacht wurden, schleppt sich der Prozess fast Woche für Woche wie ein immer müder werdender Esel vor sich hin. Immer noch hofft die Staatsanwaltschaft offensichtlich auf entscheidende Aussagen, doch bis auf einige wenige belastende Aussagen zu Einzelvergehen kommt kaum etwas Verwertbares zu Tage. Und so wird sich der ganze Prozess am Ende als gigantischer und hunderttausende von Mark an Steuergeldern verschlingender Flop herausstellen. Schon seit langem stellen sich Beobachter Fragen nach der Verhältnismäßigkeit, denn am Ende eines mit unglaublicher Energie und unglaublichem Kostenaufwand durchgeführten Showprozesses wird man sich wohl mit einigen wenigen Opfern zufrieden geben müssen. Der Ausgang des Prozesses, nach 31 Verhandlungstagen, war dann einige Freisprüche und kleinere Haftstrafen, zum Teil auf Bewährung.
Zum Abschluß dieser geschichtlichen Kurzbetrachtung über die Borns sei geschrieben: Wer mit Rockern keine Berührungsängste hat, der sollte sich einmal bei einer der vielen Born-Parties sehen lassen. Die Parties der anderen bundesweiten Chapter und auch der Italiener entnehmt bitte dem Veranstaltungskalender.

Für die Berliner und alle aus der Umgebung sollten die bereits seit 20 Jahren veranstaltete Germanenparty, die richtig Spaß machende Halloweenparty und natürlich die Titty Twister Night zur Pflichtveranstaltung werden.
Und wer zu diesem Zeitpunkt verhindert ist, für den bleibt ja das Wochenende zum Motorcycle Jamboree bei Berlin.

Hier das Interview, in der Bikers News 3/15, zum 40jährigen Bestehen des BORN TO BE WILD MC BERLIN.

Text: Lutz Arnken (BN) + Lommel


PRESSESCHAU

Video Hasenheide (1,79MB)

Video Brandenburger Tor (1,72MB)

Feuerwerk Biesenthal (3,93MB)

Bilder

Bilder 30 Jahre Feier


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